Jüngere Geschichte der Diskussion um den Neubau

 

~ Von der Geburt der Idee zur „Basislösung“ bis heute ~

Wallau - Vergessene Welt_MiniBei der derzeitigen Diskussion um die Ländcheshalle wird immer wieder die sogenannte „Basislösung“ genannt. Wie kam es eigentlich zur „Basislösung“ und wie hat sich die Diskussion um die Ländcheshalle entwickelt seit der Geburt der Idee zur „Basislösung“? Dank der tatkräftigen Unterstützung unseres Ex-Mitgliedes Mario Kleber veröffentlichen wir hier einen zeitlichen Überblick, beginnend im Juni 2012.

 

„Basislösung“ – Begriffsdefinition

Ursprünglich wurde die „Basislösung“ oder auch das „Basisprogramm“ in Vorlage – 2012/193 wie folgt definiert:

„Das Basisprogramm umfasst folgende Leistungen:

  • Bau einer 3-Feld-Sporthalle mit einer Zuschauertribüne und einer Kapazität für max. 600 Personen einschließlich der notwendigen Geräte- und Umkleideräume
  • Integration des Schulsports in die Halle (Voraussetzung für die Beteiligung des Kreises)
  • Neubau auf dem Gelände der Taunusblickschule
  • Abschluss eines Erbbaurechtsvertrages mit dem Main-Taunus-Kreis“

Man muss hier anmerken, dass ein „wir machen es noch kleiner“ nicht ausgeschlossen ist. So wird mittlerweile von einer 400 Personen Tribüne gesprochen (eine max. 600 Personen Tribüne ist natürlich nach unten hin offen).

 

1. Teil – „Basislösung“, eine Idee wird geboren

14.06.2012 – Magistrat: Die Basislösung wird geboren und dem TVW in einem „Workshop Ländcheshalle“ erstmals präsentiert.

19.11.2012 – TVW JHV: Die JHV des TVW fasst einen Beschluss sich grundsätzlich an Bau- und oder Betriebskosten zu beteiligen und mit der Stadt Hofheim in Verhandlungen über Bau von Halle und Sportplatz einzutreten.

22.11.2012 – IG WfW: Die IG Wallauer für Wallau gründet sich um sich für den Erhalt oder Ausbau der bestehenden Hallenkapazität einzusetzen und richtet sich damit direkt gegen die geplante „Basislösung“

19.12.2012 – STVV: Die STVV beschließt Vorlage 2012/193 zum Neubau Ländcheshalle. Der ursprünglich formulierte 4. Punkt dieser Vorlage wurde durch einen Änderungsantrag von Bodo Tadewald (FWG) noch abgeändert und von der STVV wie unten aufgeführt beschlossen.

  1. Von der Vorlage wird Kenntnis genommen.
  2. Auf dem Gelände der Taunusblickschule wird die Ländcheshalle neu gebaut.
  3. Der Magistrat wird beauftragt, die Planungen mit dem TV Wallau auf der Grundlage der Ergebnisse des Workshops und des Beschlusses der außerordentlichen Jahreshauptversammlung mit dem Ziel einer gemeinsamen Lösung durchzuführen.
  4. Nach der Sommerpause ist die StVV in einer Vorlage über das Ergebnis der Beratungen mit dem TV Wallau zwecks abschließender Entscheidung zu unterrichten.

 

2. Teil – Lange Verhandlungen ohne greifbare Ergebnisse

Nach den Ereignissen im 1. Teil kam es dann zu schleppenden Verhandlungen, die von Schwierigkeiten bei Terminfindungen und geringem Fortschritt in der Sache gekennzeichnet waren. Anfang 2013 tat der Bürgermeisterwahlkampf sein Übriges, um die Verhandlungen praktisch ganz zum Erliegen zu bringen. Nichtsdestotrotz ging es dann am 4. September mit dem Thema im Rahmen der Stadtverordnetenversammlung weiter.

4. Sep. 2013 – STVV: Der Magistrat stellt die Resultate der bisherigen Verhandlungen der STVV vor: Vorlage 2013/135 (mit 16 Anhänge)

10. Okt. 2013 – HFBA: Der TVW stellt vor in welchem Umfang er denkt sich beteiligen zu können (Übernahme Bauträgerschaft und Eigentum, ca. 0,5 Mio. EUR Beteiligung) => Dieser Vorschlag des TVW wurde von Magistrat und Presse verrissen.

5. Nov. 2013 – HFBA: Der Haupt-, Finanz- und Beteiligungsausschuss empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, folgenden Beschluss zu fassen:

  1. Die Planung für eine Dreifeldhalle einschließlich der Umkleideräume für den Sportplatz auf dem Gelände der Taunusblickschule wird unverzüglich aufgenommen.
  2. Die Vergabe der Architektenleistung ist umgehend einzuleiten.
  3. Die Planung soll die Erweiterung um einen Mehrzweckraum oder ein viertes Feld weiterhin ermöglichen.
  4. Die durch das Offenhalten der Erweiterungsoption entstehenden Mehrkosten sind zu beziffern.
  5. Die notwendigen Vereinbarungen mit dem MTK sind abzuschließen.
  6. Die Gespräche über eine Beteiligung des TV Wallau als Voraussetzung für eine Lösung über die Dreifeldhalle hinaus sollen fortgesetzt werden.

13. Nov. 2013 – STVV: Die STVV beschließt die Vorlage des HFBA mit einem zusätzlichen Punkt 7.

        7. Künftig soll an den Gesprächen der Lenkungsgruppe je ein/e                           Vertreter/in jeder Fraktion teilnehmen.

20. Nov. 2013 – Bericht im Wiesbadener Kurier: Der Kreis kommuniziert, dass er keine Zusage bezüglich seiner Beteiligung macht. Er wartet auf Stadt und TVW.

„Die Stadt Hofheim ist ein unzuverlässiger Partner in dieser Frage“, teilte Landrat Michael Cyriax (CDU) jetzt auf Nachfrage mit. Der Kreis habe sich bereit erklärt, der Stadt das Grundstück zur Nutzung zu überlassen, damit diese oder Dritte darauf eine Sporthalle errichten können. „Wir gehen davon aus, dass der Schulsport in dieser neu zu schaffenden Halle unentgeltlich stattfinden kann“. Weitere Finanzierungsfragen stünden aus seiner Sicht derzeit nicht an, „da die Stadt seit rund einer Dekade Kreise und Pirouetten vollführt, sodass allen Beteiligten schwindelig wird“. Er wolle auch nicht ausschließen, „dass Hofheim nach gefühlten 35 Planungsvarianten auch wieder ganz neue Überlegungen anstellt“, so Cyriax.“

Kritik an diesem Vorgehen:

  • Protokolle nicht abgestimmt zwischen Stadt und TVW. Die Protokolle beschreiben einseitig die Sicht der Stadt.
  • Keine Abstimmung der Stadt mit dem Main-Taunus-Kreis bezüglich Kostenübernahme.
  • Präsentierte Finanzierungsmodelle nicht mit dem TVW abgestimmt.
  • Keine Rückmeldung an den TVW zu dessen angebotener Beteiligung an den Baumaßnahmen.

Im Endeffekt sind die Verhandlungen zu diesem Zeitpunkt gescheitert, auch wenn das keiner je so gesagt hat.
Die Summen, die der TVW übernehmen soll übersteigen die Möglichkeiten des Vereins um ein Vielfaches (von 3 Mio. Euro war die Rede).
Das Beteiligungsangebot des TV Wallau wurde ignoriert.
Die geplante Halle und das vorhandene Budget (welches wohl auch keiner so ganz genau beziffern kann) passen nicht zusammen.

 

3. Teil – Ein neuer Anlauf mit alten Fehlern

Nach den Ereignissen im 2. Teil passierte zunächst wieder wenig.
Mögliche Erklärungen hierfür:

  • Der Magistrat möchte nicht alleine voranschreiten, sondern lieber mit dem TVW über dessen Beteiligung an der Halle verhandeln, weil es ohne den TVW keine Fördergelder geben kann.
  • Der Magistrat möchte den TVW mit einbinden.

Der Fortgang dieser Gespräche litt – neben den langsam mahlenden Mühlen der Verwaltung – jedoch unter dem Tod der Schatzmeisterin des TVW und dem Warten der Stadt auf den Beschluss des TVW zur Halle im Rahmen der JHV

18. März 2014 – IG WfW: Die IG holt auf Eigeninitiative ein Angebot von einer Baufirma ein. Das Angebot bestätigte die Größenordnung der Architektenschätzung, die in Vorlage 2013/135 enthalten war. Das Angebot wird mit dem TVW geteilt und von diesem auch der Stadt zur Verfügung gestellt.

Mai 2015 – Magistrat und TVW: Im Vorfeld der JHV des TVW wird zunächst der Wortlaut des geplanten Beschlusses zur Ländcheshalle mit den Vertretern der Stadt in der Lenkungsgruppe abgestimmt.

25. Mai 2014 – TVW JHV: JHV des TVW fasst Beschluss unter bestimmten Umständen Bauträger und Eigentümer der Halle zu werden, sowie sich in gewissen Umfang finanziell zu beteiligen.

Nach der JHV werden die Gespräche wieder aufgenommen. Allerdings wird hier nicht über Geld und nur wenig über Kapazitäten gesprochen (der obligatorische überarbeitete Belegungsplan wurde selbstverständlich zum wiederholten Mal von der Stadt angefordert), sondern ein rein formaler Prozess der europaweiten Ausschreibung angestoßen.

Um die europaweite Ausschreibung vorzubereiten finden regelmäßige Treffen des Lenkungskreises aus TVW und Vertretern der Stadt statt.
Mit Hilfe eines Architekturbüros, welches Expertenwissen für öffentliche Ausschreibungen hat, wird eine europaweite Ausschreibung erstellt mit dem Ziel einen Architekten zu finden, der ein solches Projekt leisten kann.
Der ausgewählte Architekt soll dann die Halle im Detail planen und wohl auch zur Ausschreibung bringen, um eine Baufirma zu finden, die den Plan umsetzt.

Kritik an diesem Vorgehen:

  • Der rein formale Prozess der europaweiten Ausschreibung hätte schon viel früher passieren können. Die Informationen liegen mindestens schon seit Vorlage 2013/135, also seit September 2013, vor.
  • Wieso wurde noch immer nicht über Geld gesprochen? In der OBR Sitzung vom September 2014 sagte 1. Stadtrat Exner, dass man erst eine Planung braucht bevor man über Geld reden kann. Der TVW hingegen insistiert schon seit langem, dass über die Finanzierung gesprochen werden muss.
  • Weil nicht über Geld gesprochen wird ist zu befürchten, dass am Ende die Planung und das vorhandene Budget erneut nicht zusammen passen und damit erneut Zeit vergeudet wird.

8. Nov. 2014 – STVV: In ihrer Rede zum Haushalt ’15 berichtet Bürgermeisterin Stang das sich ein Defizit von über 14 Mio. Euro für die Jahre 2014 und 2015 aufbauen wird. Darüberhinaus erklärt Sie das es unter diesen Umständen wohl selbstverständlch sein dürfte, das für Wallau nur noch die Basislösung in Betracht kommt.

 

4. Teil – Konkretisierung

25. Feb. 2015 – Vorstellung der Bebauungsplanänderung:
Die Stadt informiert in einer öffentlichen Infoveranstaltung in der LH über die geplante Änderung am BPlan und stellt gleichzeitig, überraschend für alle Anwesenden, ein kleines Neubaugebiet vor.

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Über Geld sprechen

Auch wenn sonst keiner über Geld sprechen mag, führen wir hier die allgemein zugänglichen Zahlen auf.

Finanzen:

Stadt 5,00 Mio. EUR im Haushaltsplan für Halle.
0,65 Mio. EUR im Haushaltsplan für Sportplatz
TVW 0,50 Mio. EUR (ca.) angeboten für Halle und Sportplatz gemeinsam
TVW-Fördergelder Land Hessen 0,22 Mio. EUR Fördergelder unabhängig ob Sportplatzbau allein oder Halle und Sportplatz gemeinsam
TVW-Fördergelder LSB 0,01 Mio. EUR Fördergelder unabhängig ob Sportplatzbau allein oder Halle und Sportplatz gemeinsam
TVW-Fördergelder Kreis Sportplatz 0,13 Mio. EUR Fördergelder für Sportplatz
TVW-Fördergelder Kreis Halle ?,?? Mio. EUR Theoretisch 10% der förderfähigen Bausumme, d.h. rechnerisch etwa 0,50 Mio. EUR (allerdings lag die bisher höchste je gewährte Fördersumme für ein Einzelprojekt bei gut 0,2 Mio. EUR)
Kreis 0,00 Mio. EUR Keine Beteiligungszusagen jenseits des Grundstücks zur Nutzung
Gesamt 6,51 Mio. EUR bis 7,01 Mio. EUR

Die Plankosten der letzten Planung einer Halle, die die Raumkapazität erhält, und des Sportplatzes summieren sich auf 11,3 Mio. EUR (10 Mio. EUR Halle + 1,3 Mio. EUR Sportplatz). Basierend auf jetzigen Zusagen fehlen zwischen 4,3 und 4,8 Mio. EUR.
Daher scheint es sinnvoll parallel zur Planung der Halle auch die Finanzen zu betrachten, damit man weiß in welchem Umfang man eigentlich planen kann.

Mit der Haushaltsrede der Bürgermeisterin zum Haushalt 2015 vom 8. Oktober 2014 hat sich das Thema „auf die Finanzen schauen“ eventuell auch schon wieder erledigt . . .

 

Legende:
STVV: Stadtverordnetenversammlung
HFBA: Haupt-, Finanz- und Beteiligungsausschuss
JHV: Jahreshauptversammlung
TVW: TV Wallau
IG WfW: IG Wallauer für Wallau
LSB: Landessportbund

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