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Offener Brief an Hofheimer Stadtverordnung 15.12.2012

Anbei ein offener Brief der Wallauerin Kyra Luft gerichtet an die Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung anlässlich der Sitzung am 19.12.2012

Wallau den 15.12.12

Sehr geehrte Damen und Herren der Hofheimer Stadtverordnetenversammlung,

In einem offenen Brief wende ich mich mit folgendem Anliegen an Sie:

Auf der Stadtverordnetenversammlung am kommenden Mittwoch wird unter TOP 20 der Punkt „Neubau der Ländcheshalle auf kreiseigenem Grundstück“ behandelt.
Sie werden gebeten zu beschließen:

1. Von der Vorlage wird Kenntnis genommen
2. Auf dem Gelände der Taunusblickschule wird die Ländcheshalle neu gebaut.
3. Der Magistrat wird beauftragt, die Planungen mit dem TV Wallau auf der Grundlage der Ergebnisse des Workshops und des Beschlusses der außerordentlichen Jahreshauptversammlung mit dem Ziel einer gemeinsamen Lösung durchzuführen
4. Sollte es zu dieser gemeinsamen Lösung nicht kommen,
wird das dargestellte Basisprogramm realisiert.

Hierzu möchte ich folgendes anmerken:

Zum einen finde ich es unfair, dass den Gesprächen zwischen dem TV Wallau und der Stadt, die gerade erst begonnen haben, das Ergebnis vorweggenommen wird.
Wären Punkt 2 und 4 nicht, könnte aus meiner Sicht tatsächlich ergebnisoffen und vertrauensvoll miteinander gesprochen werden. Mit diesen Beschlüssen, wie sie die Punkte 2 aber insbesondere der Punkt 4 vorsehen, wird der TV Wallau unangemessen unter Druck gesetzt. Es entsteht der Eindruck, die Stadt möchte keine konstruktiven Gespräche sondern den TV Wallau in ein Ergebnis (Pkt.4) verstricken das bereits feststeht und für das die Stadt allein keine Verantwortung in Wallau übernehmen möchte.
Insbesondere der Punkt 4 muss danach aus der Beschlussvorlage gestrichen werden. Alles andere finde ich unseriös.

Zum anderen möchte ich Sie darauf hinweisen, dass die Begründung der Vorlage auf völlig falschen Tatsachen basiert.

So wird darin behauptet:

“ Der Magistrat stellte das Basisprogramm vor, das in Anlehnung an die Bedarfe des Stadtteils, unter Berücksichtigung der Vergleichbarkeit mit anderen Stadtteilen und der dortigen Beteiligung von Vereinen an Sportanlagen erarbeitet wurde“.

Im Anschluss daran wird aufgeführt, was dieses Basisprogramm beinhaltet:

– Bau einer 3-Feld-Sporthalle mit einer Zuschauertribüne und einer Kapazität mit max. 600 Personen einschl. Geräte- und Umkleideräume
-Integration des Schulsports in die Halle (Voraussetzung für die Beteiligung des Kreises)
– Neubau auf dem Gelände der Taunusblickschule
-Abschluss eines Erbbaurechtsvertrages mit dem Main-Taunus-Kreis
Der TV Wallau und die anderen Wallauer Vereine haben bereits vor langer Zeit, auf Anforderung des Magistrats für verschiedene Arbeitsgruppen einen Bedarfsplan vorgelegt, der detailliert den Bedarf wiedergibt, der derzeit in Wallau besteht. Hier haben alle Abteilungen des TV Wallau und die anderen Vereine, von denen die Hallen und Räumlichkeiten kulturell genutzt werden, anhand der Belegungspläne der Hallen dokumentiert, was derzeit in Wallau an Hallenbedarf notwendig ist. Hierdurch wurde nachgewiesen, dass das derzeitige Raumangebot, eine „Ländcheshalle“ und eine „Schulturnhalle“, voll ausgelastet ist und sogar darüber hinaus noch Bedarf für weitere Räumlichkeiten besteht. So behilft sich z.B. die Fußballjugend im Winter mit der Notlösung, Räumlichkeiten im Fitnessstudio „Multisports“ anzumieten, weil es an Hallenzeiten fehlt. Die Wanaloha-Theatergruppe hat keinen festen Probenraum und behilft sich entsprechend dem Raumangebot jeweils wechselnd mit kurzfristig frei gewordenen Räumlichkeiten. Für die Theateraufführungen stellen die Fußballer das Fußballerheim zur Verfügung Eine „richtige“ Bühne gibt es in Wallau leider nicht.
Hierzu gäbe es sicherlich noch viele weitere Beispiele, wie sich die Vereine in Wallau behelfen. Aber darauf soll es vorliegend nicht ankommen.

Wichtig ist vielmehr, dass dem Magistrat eine Aufstellung vorliegt, aus der sich ergibt, dass die 2 vorhandenen Sporthallen jeden Tag belegt sind. Wenn der Magistrat Ihnen in der Vorlage nun vorgibt, die Basislösung, über die Sie befinden sollen, wurde in Anlehnung an die Bedarfe des Stadtteils erarbeitet, ist das schlichtweg falsch. Wallau hat gegenwärtig eine Ländcheshalle und eine Schulturnhalle, die durch die Vereinstätigkeit voll ausgelastet sind. Das Basisprogramm beinhaltet nur noch eine Ländcheshalle und integriert den Schulsport in diese. An diesem Punkt sollte jedem Stadtverordneten auffallen, dass hier über eine Vorlage beschlossen wird, die auf offensichtlich falschen Grundlagen basiert.

Tatsächlich bedeutet das Basisprogramm, dass in Wallau eine Reduzierung der Raummöglichkeiten um 50% stattfinden wird. Dies hat der TV Wallau mehrfach, auch Ihnen allen vorliegend, vorgetragen. Falls Sie tatsächlich über den Punkt 4 der Vorlage befinden möchten, sollte genau diese Tatsche jedoch in der Begründung geändert werden. Es müsste dann heißen:

“ Das Basisprogramm bedeutet, dass im Stadtteil Wallau der derzeitige Bedarf an Räumlichkeiten für Sport und Kultur um 50% gekürzt werden muss“.

Falls Sie also tatsächlich dem Punkt 4 der Beschlussvorlage zustimmen, nehmen Sie sehenden Auges in Kauf, dass das bestehende kulturell/soziale und sportliche Angebot in Wallau nicht mehr aufrecht erhalten werden kann.

Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass sich aus der Beschlussvorlage nicht ergibt, inwiefern eine Vergleichbarkeit mit anderen Stadtteilen hergestellt wurde.
Eine Vergleichbarkeit setzt voraus, dass die Dinge, die miteinander verglichen werden, auch vergleichbar sind. Aus der Beschlussvorlage geht dies nicht hervor. Möglicherweise liegen den Fraktionen die nachvollziehbaren Grundlagen vor. Ohne diese kann die Behauptung „Vergleichbarkeit“ ebenfalls nicht aufrecht erhalten werden.
Ich darf in diesem Zusammenhang anmerken, dass die Situation in Wallau ohnehin nicht vergleichbar sein dürfte. Das Basisprogramm sieht vor, dass eine Sporthalle, die von der einst selbstständigen Gemeinde Wallau gebaut und finanziert wurde, abgerissen wird. Der Erlös für das Gelände, auf dem sich diese noch funktionstüchtige Ländcheshalle befindet, soll zur Finanzierung einer neuen 3-Feldhalle genommen werden. In diese Finanzierung fließt zudem noch ein Betrag X hinein, der seitens des Kreises (in welcher Form auch immer- Erbbaurecht?) aufgebracht werden soll. Im Gegenzug erhält der Kreis in dieser 3-Feldhalle das Nutzungsrecht für den Schulsport. Die ebenfalls noch von Wallauer Vereinen genutzte Schulsporthalle wird ersatzlos abgerissen. Das dort vorhandene Raumangebot fällt ersatzlos weg. Die Wallauer Vereine stehen bei all dem am Ende mit 50% weniger an Raumangebot da. Das hat Wallau nicht verdient.
Wo in Hofheim gibt es eine derartige Situation? Nach meiner Kenntnis wurde in Hofheim und den Stadtteilen bisher immer gebaut um Verbesserungen für die Vereine und Bürger zu erreichen. Ob dies das Bürgerhaus in Marxheim ist, die verschiednen Sport- und Gymnastikhallen in Diedenbergen oder Langenhain oder wo auch immer. Auch bei der kreiseigenen Halle an der Main-Taunus-Schule beteiligt sich die Stadt schließlich, um dem TV 1860 die Trainingsmöglichkeiten zu erhalten, die er derzeit hat. Ich möchte hier nicht in Details gehen, weil es sich meiner Kenntnis entzieht auf welcher Grundlage eine Vergleichbarkeit vorgenommen wurde. Aus der Vorlage ergibt es sich jedenfalls nicht.
Sollte Ihnen außer dieser Vorlage auch keine weiteren Informationen über die Vergleichbarkeit vorliegen, halte ich eine Abstimmung hierüber für nicht seriös.

Der Vollständigkeit halber möchte ich Sie noch darauf hinweisen, dass sich der Ortsbeirat Wallau am 22.11.11 nicht über das Basisprogramm sondern vielmehr über eine Variante 5, die etwas völlig anderen bedeutet, mehrheitlich ausgesprochen hat. Über das Basisprogramm wurde der Ortsbeirat zwar am 26.06.12 informiert. Eine Abstimmung des Ortsbeirates hierüber erfolgte nach meiner Kenntnis jedoch bis heute nicht. Ob Sie die Meinung des Ortsbeirates zur Basislösung kennen weiß ich nicht. Ich jedenfalls kenne sie nicht.

Als Wallauer Bürgerin und aktives Mitglied des TV Wallau möchte ich Sie daher um Folgendes bitten:

Veranlassen Sie gemeinsam, dass die Beschlusspunkte 2 und 4 aus der Magistratsvorlage 2012/193 gestrichen werden. Befinden Sie ausschließlich über die Punkte 1 und 3.

Damit geben Sie den Gesprächen zwischen der Stadt und dem TV Wallau eine realistische Chance im Hinblick darauf, dass gemeinsam eine Lösung gefunden wird, die den Wallauer Bedürfnissen gerecht wird. Signalisieren Sie dem Magistrat, dass es Ihnen wichtig ist, seriöse und sachlich richtige Begründungen für Ihre Beschlussvorlagen zu erhalten. Setzen Sie, im Gegensatz zum Magistrat, den ersten vor den zweiten Schritt.

Mit freundlichen Grüßen aus dem schönen Stadtteil Wallau

Kyra Luft


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